Schulpartnerschaft (Berufsbildende Schulen für den Landkreis Wesermarsch / Mercantile Seamen Training Institute (MSTI), Galle, Sri Lanka)

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Ziele/Inhalte

Am 1. Januar 1986 wurde die erste und einzige Seemannsschule auf Sri Lanka, das "Mercantile Seamen Training Institute" (MSTI) in Galle, an der Südspitze der Insel gelegen, ins Leben gerufen.

Im Frühjahr 1988 wurde auf Initiative des damaligen Schulleiters in Galle, Herrn Volker Otto und dem Schulleiter der Berufsbildenden Schulen in Brake, Herrn Dirk Eismann eine Partnerschaft zwischen beiden Schulen angeregt und kurze Zeit später auch realisiert.

Im Schulpartnerschaftsabkommen wurden folgende Ziele und Inhalte vereinbart:

1. Die Schulen informieren sich gegenseitig über ihr Wirken und ihre Entwicklung. Sie tauschen für besondere Bereiche Lehrpläne, Unterrichtsmaterialien und sonstige schulpädagogische Materialien aus.

2. Die Schulen fördern die Vermittlung von Briefkontakten zwischen Schülern bzw. Klassen und Lehrern.

3. Soweit möglich, sollen Lehr- und Unterrichtsmittel gegenseitig zur Verfügung gestellt werden.

4. Der Austausch von Schülern wird angestrebt. Die Aufnahme von im "Mercantile Seamen Training Institute" beschulten Matrosen in eine Fachschule Seefahrt in Niedersachsen soll gefördert werden.


Mercantile Seamen Training Institute, Galle, Sri Lanka

Seebeben vom 26. Dezember 2004

Die Auswirkungen des Seebebens vom 26. 12. 2004 im Indischen Ozean haben das "Mercantile Seamen Training Institute" schwer beschädigt.

Die enorme Kraft der Flutwellen hat die gesamte Schuleinrichtung einschließlich aller wertvollen Unterrichtsmaterialien vernichtet und am Schulgebäude erheblichen Schaden verursacht. Durch glückliche Umstände sind weder in der Schüler- und Lehrerschaft noch bei den Mitarbeitern der Schule Menschenopfer zu beklagen. Die vorhandenen Schäden lassen jedoch auf absehbare Zeit keinen geregelten Unterricht mehr zu.

Die Berufsbildenden Schulen für den Landkreis Wesermarsch möchten jetzt im Rahmen ihrer Schulpartnerschaft an der Wiederherstellung und Neueinrichtung der Seemannsschule in Galle/Sri Lanka mitwirken. Da unsere finanziellen Mittel sehr begrenzt sind, sind wir auf Geld- und Sachspenden angewiesen.


Nach Telefonaten, die mit dem Schulleiter des MSTI Herrn Endlich geführt und Bildern, die per E-Mail zugeschickt wurden, konnte man sich ein gutes Bild über das Ausmaß der Zerstörung machen. Tatsache ist, dass die Schule, um wieder baldmöglichst effektiv arbeiten zu können, unbedingt Hilfe benötigt, da vor allem die Ausrüstungsgegenstände im Bereich Feuerschutz, Schiffssicherheit (Rettungswesen) und auch für den normalen Lehrbetrieb (hier ist ebenfalls alles verloren gegangen) in Sri Lanka nicht zu erhalten sind, sondern aus Deutschland eingeführt werden müssen.



Artikel in der Kreiszeitung Wesermarsch


Nordenham (hes). Die Wände stehen noch, aber dazwischen hat die Flutwelle das gesamte Inventar der Seemannsschule in Galle an der Süd-West-Küste von Sri Lanka zerschlagen. Volker Otto, Lehrer an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Wesermarsch, hat die Schule in Galle aufgebaut. Die BBS bemühen sich nun um Hilfe für die befreundete Einrichtung.

Es war Glück im Unglück, dass die Internatsschule in Sri Lanka zum Zeitpunkt der Katastrophe gerade Ferien hatte und sich daher keine Schüler dort aufhielten. „Gott sei Dank sind in der Schule selbst keine Opfer zu beklagen“, sagt Volker Otto. Allerdings hat der Braker Berufsschullehrer auch niederschmetternde Nachrichten aus der Region gehört, in der er selbst beinahe drei Jahre lang tätig war: „Ein Schwimmlehrer, den ich selbst kenne, hat auf einen Schlag zehn Angehörige verloren.“

Die Kontakte zwischen den BBS und der Seemannsschule in Galle, die jetzt von der Tsunami-Flutwelle getroffen wurde, reichen bis zur Gründung der Internatsschule in Sri Lanka Anfang 1986 zurück. Das Mercantile Seamen Training Institute (MSTI) war ins Leben gerufen worden, um gut ausgebildete Schiffsbesatzungen zur Verfügung zu haben. Die Reedereien Eugen Friedrich aus Bremen und Mercantile Shipping Company aus Sri Lanka finanzierten die Schule bis 2001. Unterstützung gab es auch im Auftrag der Bundesregierung durch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Inzwischen trägt sich die Schule weitgehend aus eigener Kraft.

Der BBS-Lehrer Volker Otto leitete die neue Seemannsschule bis Ende August 1988 und übergab das Amt dann an Horst Endlich, mit dem er gemeinsam das Kapitänspatent an der Seefahrtschule in Elsfleth gemacht hatte. Die Schulpartnerschaft zwischen den beiden Bildungseinrichtungen existiert ebenfalls seit 1988.

Nach einer ersten Bestandsaufnahme sind die Verwüstungen in der Seemannsschule erheblich. „45 ehemalige Schüler sind jetzt vor Ort, um aufzuräumen“, berichtet Volker Otto. MSTI benötige jedoch vor allem bei der Wiederbeschaffung von Spezialausrüstung zum Beispiel für die Ausbildung in den Bereichen Schiffssicherheit und Feuerschutz, aber auch für den normalen Lehrbetrieb Unterstützung, sagt Volker Otto. Bis zum Wochenende will der Schulleiter Horst Endlich eine Liste mit dem benötigten Material aus Sri Lanka schicken. „Er hofft, Anfang Februar wieder mit dem Unterricht beginnen zu können“, sagt Volker Otto.

Die BBS hat sich jetzt mit der Bitte um Hilfe an das Land Niedersachsen und auch an diverse Unternehmen wie Reedereien und Schiffsausrüster gewandt. Finanzielle Zuwendungen sind dabei ebenso erwünscht wie Sachspenden. Die niedersächsische Landesregierung führte die Schulpartnerschaft zwischen BBS und MSTI gestern noch sehr unkonkret als einen der Kontakte an, auf denen man „aufbauen“ könne.


Spenden der NWZ-Leser retten Schule aus "Seenot"


SEEBEBEN 200 000 Euro der NWZ-Aktion sichern Fortführung der Ausbildung junger Matrosen an Südküste Sri Lankas – Partnerschule in Brake koordiniert

VON CARL-FRIEDRICH EHLERS

Jeder Absolvent der Schule unterhält mit seinem Verdienst zehn Angehörige. Ein deutscher Kapitän ist Schulleiter.

Brachten gestern durch die Spendenübergabe im Schifffahrtsmuseum in Brake die Seemannsschule in Galle (Sri Lanka) wieder auf Kurs (von links): Honorarkonsul Klaus Kriwat, Studienrat Volker Otto und Schulleiter Artur Post (beide BBS Brake) sowie NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim.BILD: THORSTEN RITZMANN
BRAKE/GALLE (SRI LANKA) - Mit 200 000 Euro aus Mitteln der NWZ-Spendenaktion für Seebeben-Opfer in Südostasien soll schon bald eine Seemannsschule in Galle (Sri Lanka), die vom Tsunami am 26. Dezember 2004 völlig verwüstet worden war, wieder flott gemacht werden. Den Anstoß dazu gaben die Berufsbildenden Schulen (BBS) für die Wesermarsch in Brake, die seit 1988 zu der Matrosenschule eine Partnerschaft unterhalten und nach der Katastrophe sofort zur Hilfe für diese Einrichtung aufgerufen hatten.

Bei der Geldübergabe gestern in Brake sprach NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim die Überzeugung aus, dass mit dieser Großspende für die Ausbildung junger Menschen in Sri Lanka eine nachhaltige Wirkung erzielt werden könne. Ausschlaggebend für die Wahl des Spenden-Projektes sei auch die regionale Verbundenheit und die Gewissheit, dass die Beteiligung der BBS Brake in Verbindung mit dem deutschen Schulleiter in Galle eine zuverlässige Verwendung der Spendengelder garantiere.
Der Honorarkonsul von Sri Lanka für Niedersachsen und Bremen, Klaus Kriwat, hob die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schule hervor. Jeder Seemann oder Schiffskoch, der aus der Schule hervorgehe, bekomme Arbeit und könne mit seiner Heuer zehn Familienangehörige an Land unterhalten.

Bei dem Tsunami waren fast die gesamte Ausrüstung – wie Rettungsboote – und das Unterrichtsmaterial der Schule vernichtet worden. Bereits nächste Woche soll mit den Spenden in Deutschland die benötigte Ausrüstung gekauft und dabei hart um den Preis verhandelt werden, kündigte Volker Otto (BBS) an, der die Matrosenschule in Sri Lanka drei Jahre geleitet hat.


Erschienen in der NWZ - Oldenburg am 11. März 2005


Zuletzt geändert: 30.05.2016 11:15