Schulpartnerschaft Tanzania (Grundschule Neuhof/Hildesheim / Primary School Nkhoiree, Tansania)

[ Ziele/Inhalte ] [ Entstehung/Aktivitäten ] [ Ergebnisse/Materialien ] [ Kontakt ]

Entstehung/Aktivitäten

Aktivitäten

Durchführung des o.a. Unterrichtsprojektes

  • Besuch mit aktuellen Bildern, Berichten und Dingen zum Anfassen im Unterricht von Christiania Stieghorst
  • Die Schüler gestalten Mappen über das Gelernte.
  • Die Schüler erarbeiten und bedenken kleine Projekte, die Geld für die Partner-schule erwirtschaften lassen.
  • Oft entsteht aus dem Unterricht ein Beitrag für das jährliche Schulfest.

Lilo Deutsch zeigt ein im Unterricht hergestelltes BAO-Spiel,...

... das dann beim Schulfest von Eltern und Kindern erprobt wird.

BERICHT:

Grundschule Neuhof – Primary School Nkhoiree: Kleine Schritte mit grosser Wirkung

Im September 1997 besuchten Gäste der Kirchengemeinde Marienrode in Hildesheim aus der Partnergemeinde Ihanja/Tanzania die Grundschule Hildesheim-Neuhof und lösten in der damals dritten Klasse große Begeisterung aus. Mit Bildern, Gegenständen, Kangas und Liedern war die gemeinsame Zeit schnell vergangen. Kurz danach erhielt die Schule eine offizielle Anfrage aus Tanzania von der Grundschule Nkhoiree/Ihanja nach einer Schulpartnerschaft.

Die Lehrerin der 3. Klasse, Lilo Deutsch, nahm Anfang 1998 mit großem Engagement ein Unterrichtsprojekt „So leben und lernen Kinder in Tanzania“ in Angriff, von Christiania Stieghorst unterstützt mit Literatur, Bildern, Ideen und vielen Gegenständen aus Tanzania.

Es war faszinierend zu beobachten, wie intensiv sich die Kinder einer 3. Klasse auf das Thema einließen. Schon an der Dekoration im Klassenraum erkannte man, was dran war. Jedes Kind hatte eine Mappe angelegt, in der Berichte und Bilder gesammelt wurden.

Ganz besonders beeindruckend war, wie alle beim Besuch eines Redakteurs der Tageszeitung Einzelheiten berichteten von dem, was sie gesehen, gehört und gemacht hatten.

Als dieser Klasse ein Jahr später ein Video vom Unterricht in Nkhoiree (35 Minuten!) gezeigt wurde, waren sie bis zur letzten Minute gespannt und freudig dabei.

Manches Mal begegnen mir Schüler aus dieser Grundschule später in weiterführenden Schulen und berichten erfreut, was sie gelernt hatten.

Beim Schulfest beteiligt sich die Klasse mit einem Tanzlied aus Tanzania, einem Wettbewerb Körbe auf dem Kopf zu balancieren und dem Angebot, sich mit Kangas angekleidet fotografieren zu lassen.
Seitdem ist in jedem Schuljahr in der 3. Klasse „Leben in Tanzania“ Bestandteil des Unterrichts. Dann bin u.a. auch ich eingeladen, mit Bildern und Gegenständen vom Leben in der Partnerschule und der Region zu berichten.
So lernen die Kinder unbefangen von dem Leben in einer ganz anderen Welt unter ärmlichen Bedingungen und verlieren die Scheu vor dem Fremden. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn wir mit Besuchern aus Tanzania in die Klassen kommen.

Einige beginnen dabei, ihre eigenen Lebensverhältnisse zu erkennen, anders wahrzunehmen und manchmal auch anzufragen. Oft staunen sie, wie Kinder ohne Fernsehen, ohne Computer überhaupt existieren können. Es ist nicht das Wasser, das von weither geholt werden muss oder dass es kein Licht gibt...

Im August 1998 konnten wir dann zum ersten Mal mit schönen Fotos, Bildern, von den Kindern der dritten Klasse gemalt, und Briefen, sowie DM 500.- die Grundschule Nkhoiree besuchen.

Für die Hälfte des Geldes kauften wir noch in Arusha die nach unserer Ansicht wichtigen, gerade neu erschienenen Schulbücher für die Grundschule . Bei der Übergabe erlebten wir sprachloses und zum Teil fassungsloses Staunen – So schöne und neue Bücher für die Schule! -. Auf die Frage nach den Wünschen für das restliche Geld kamen jedoch Wünsche nach Fußball, Bleistiften, Heften, Zement für die Fußböden und die Renovierung des Lehrerzimmers ...

Dann wurden wir feierlich mit Liedern, traditionellen Tänzen von den Schülern offiziell begrüßt und gut unterhalten. Es war einfach schön, was wir da erleben durften.

Im April 1999 wandern wir mit Freunden aus Ihanja und mit der Videokamera nach Nkhoiree und dürfen in den einzelnen Klassen Aufnahmen beim Unterricht machen. Ein Film von etwa 35 Minuten erzählt von unserem Gang und dem Unterricht in der Schule.
Stolz wurden uns das renovierte Lehrerzimmer und die ersten neuen Tische und Stühle gezeigt.

Der Katibu Tarafa, der politische Vorsteher für die Region Ihanja, nahm die Gelegenheit wahr und machte sehr eindrücklich deutlich, dass die Menschen in Nkhoiree nun auch zeigen sollten, wo ihre eigenen Kräfte liegen, wenn Freunde aus dem fernen Hildesheim sich ihnen so zuwenden und sich für sie interessieren.

Im Juli 1999 anlässlich eines Gemeindebesuchs in Ihanja sind wir mit der ganzen Gruppe auch nach Nkhoiree eingeladen. Man zeigt uns überraschend große Bauaktivitäten: Die Dorfbevölkerung stellt Ziegel für Klassenräume her, und die Schüler formen Ziegel für Lehrerhäuser.
Wieder erleben wir eine schöne Veranstaltung unter dem Baum, die Schüler singen und tanzen für uns.

Und doch ist etwas anders: Die Lehrer erklären uns die Bedeutung der Tänze, zeigen und erklären uns Teile der Kostüme – eine neue Nähe ist zu spüren, Vertrauen.
Und zum ersten Mal werden wir in den neu renovierten Klassenraum zum gemeinsamen Essen eingeladen. Außerdem erhalten wir traditionelle Geschenke, eine schöne große Kalebasse, einen kleinen Holzhocker und einen Mörser aus Holz für die Schule in Hildesheim.

Danach konnten wir in den Jahren 2000 und 2001 jeweils nur Geld an den Schulleiter von Nkhoiree übergeben – allerdings begegneten wir jedes mal einer anderen Person, einem neuen Schulleiter. Neben dem Geld waren jedoch auch immer von beiden Seiten Briefe von Lehrern und Schülern und viele von den Schülern gemalte Bilder im Gepäck.

Als ich jetzt im Oktober 2002 wieder einmal Nkhoiree besuchen konnte, gemeinsam mit Pastor Missai von Ihanja und dem Lehrer i.R. Mr Ahungu, der die Partnerschaft 1997 ‚angestiftet‘ hatte, war ich einfach perplex. Ich erkannte die Schule nicht mehr wieder. Die alte Schule war auch fast nicht mehr da! Neue Gebäude strahlten in weiß und blau. Beim Rundgang war ich von den Veränderungen zutiefst gerührt und begeistert. Und dann erfuhr ich, dass durch die Erlassjahrkampagne Geld für Grundschulen zur Verfügung stand für Baumaßnahmen. Nkhoiree hat die Chance ergriffen. Es wird gebaut und das gut und solide.

Ein Tischler mit seiner Werkstatt unter dem Baum stellt Bänke her. Alle Schüler sollen in Zukunft einen eigenen Sitzplatz haben.

Beim Rundgang durch einige Klassen begeisterte die Sauberkeit und die Freude bei Lehrern und Schülern, stolz zu zeigen, was in der letzten Zeit geschaffen wurde und noch wird. Die Atmosphäre ist völlig verändert. Da ist Hoffnung, da ist eigene Kraft, Energie, Aufbruch.

Die Partnerschaft, das Gefühl, dass Menschen in der Ferne zu ihnen stehen und sie in Gedanken begleiten, hat hier Kräfte freigesetzt, die Erstaunliches zustande gebracht haben und noch leisten.

Mögen diese Kräfte auch Früchte tragen bei den Schülern und den Dorfbewohnern, auch in die Zukunft hinein. Und auch bei uns möge deutlich werden, mit wie wenig wir anderen Menschen Mut machen können.

Das mitgebrachte Geld wird dieses Mal für weitere Schulbücher ausgegeben...!

„Menschen aber können nicht entwickelt werden, sie können sich nur selbst entwickeln.“


Nyerere, der erste Staatspräsident von Tanzania, der das Land in die Unabhängigkeit geführt hat.